Kraft der Worte

Texte, Redaktion und Öffentlichkeitsarbeit von Karin Mühlenberg

Schlösser in Brandenburg

Ehemalige Herrschaftshäuser im Seenland Oder-Spree

Für einen Tag auf Schlösserfahrt mit der Tourismus Marketing Brandenburg, 2009

Karin Mühlenberg

 

Kunersdorf Brandenburg "Frauen von Friedland" Musenhof © Karin Mühlenberg

Kunersdorf – Denkmal für die Frauen von Friedland, die im 18. Jahrhundert schon vorausschauend früh ökologische Landwirtschaft betrieben.
© Karin Mühlenberg

Seit Jahrhunderten haben die Adelsgeschlechter Preußens ihre Herrschaftssitze oder Sommerresidenzen auch in Brandenburg errichtet. Der politische Aufstieg des brandenburg-preußischen Staates zur europäischen Großmacht ließ bei den Hohenzollern und anderen Adels-Familien den Bedarf an repräsentativen Wohn- und Verwaltungsgebäuden wachsen. Heutzutage sind viele dieser Schlossanlagen zu kulturellen Mittelpunkten geworden.

Die Prunkbauten liegen in dem weiten, spärlich besiedelten Land, das von Ackerbau, hügeligen Wiesen und  Wasser gekennzeichnet ist. In Brandenburg befinden sich mehr als 500 alte Herrensitze und Schlösser, die nur zum Teil neue Besitzer gefunden haben. An vielen Gebäuden und Anlagen nagt der Zahn der Zeit unaufhörlich.

Wer die Wege zu den neu belebten Orten selbst nicht lange suchen möchte und zudem eine informative Reise wünscht, kann die geführten Touren der Tourismus Marketing Brandenburg nutzen. Die Bus-Tages-Reisen mit Mittagsessen und Kaffeetafel an ausgewählten Orten führen in die verschiedenen Landkreise Brandenburgs. Ein Beispiel aus dem Programm ist die Route im Landkreis Oder-Spree – ein seenreiches Gebiet südöstlich von Berlin, das sich vom Spreewald über den Oderbruch bis zu Oder erstreckt. Die Vielfalt der Stätten reicht vom Schloss Neuhardenberg bis zum nicht mehr existierenden Schlossgebäude Kunersdorf, dessen künstlerisches Ansinnen als Musenhof weiterlebt.

Die Stationen werden während der Fahrt von der Tourführerin mit den Augen und Worten des Brandenburg-Schriftstellers Theodor Fontane anschaulich vermittelt. Sie erzählt darüber hinaus überraschende und beeindruckende Geschichten der Orte. Doch nicht nur Worte dringen an die Ohren, sondern auch musikalische Klänge: Die im frühen 18. Jahrhundert bei seiner Wanderung durch die Region gewonnenen inspirierenden Eindrücke hatte Johann Sebastian Bach in seine Kompositionen der Brandenburgischen Konzerte hineinfließen lassen.

Schloss Werneuchen

Nicht weit von Berlin entfernt kann das erst kürzlich restaurierte Schloss Werneuchen im Landkreis Barnim betrachtet werden. Es sucht noch seinen Schlossherren oder seine Schlossdame.

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Der aus Berlin stammende Unternehmer Robert Stock ließ dieses Schloss einst mit zahlreichen großen Fenstern für seine Tochter im Jahr 1913 errichten. Der Ort liegt im brandenburgischen Teil des Jakobsweges. Werneuchen war zu jener Zeit allerdings besser durch den Pastor und Dichter in Personalunion Friedrich Wilhelm August Schmidt – der sogenannte Schmidt von Werneuchen – bekannt, der als Zugezogener einige Jahrzehnte bis zu seinem Tode 1838 dort lebte. Wegen seiner volksnahen Weisen wurde er zwar gerne belächelt: Goethe nannte ihn weniger wertschätzend einen „ländlichen“ Dichter und aufgrund des Standortes auf märkischem Sandboden wurde er als „Sandpoet“ bezeichnet. Das tat der Zuneigung der Bevölkerung jedoch keinen Abbruch, für die er sich stark einsetzte.

Bad Freienwalde

Die nächste Station liegt schon im Oderbruch. Es ist das Schloss in Bad Freienwalde, 60 Kilometer von Berlin entfernt. In dem Ort wurde 1648 eine heilende Quelle entdeckt, die von König Friedrich Wilhelm I. für eine intensive Nutzung ausgebaut wurde. Damit wurde Freienwalde zum ersten Kur- und Badeort Brandenburgs. Das Schloss Freienwalde wurde 1798/99 nach Plänen des hugenottischen Geheimen Oberbaurates David Gilly für Friederike Luise von Preußen, der Witwe des preußischen Königs Wilhelm III., als Sommersitz im früh- klassizistischen Stil erbaut.

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1909 erwarb Walther Rathenau, der Industrielle, Schriftsteller und Außenminister der Weimarer Republik, das Anwesen mit einem von Lenné gestalteten Garten. Seit 1991 b efindet sich darin nun eine Rathenau-Gedenkstätte und eine ständige Ausstellung zur Bau- und Kunstgeschichte des Gebäudes. Die Zimmer in dem hellen, mediterran anmutenden Gebäude sind wie zu Rathenaus Zeiten eingerichtet. Von dort heraus gleitet jetzt für die Besucher noch wie einst der Blick aus den halbrunden Fenstern des Arbeitszimmers in die Weite, durch die Baumwipfel hindurch, in den Ort hinein.

Schloss Altranft

Weiter geht`s zum nahe gelegenen Schloss Altranft. Das im 17. Jahrhundert errichtete Schloss ist heutzutage mitsamt des vom Gartenkünstlers Peter Joseph Lenné angelegten Landschaftsparks im Dorf „Brandenburgisches Freilichtmuseum Altranft“ zu finden.

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Es umfasst Bauwerke, Werkstätten sowie die einzig erhaltene Bockwindmühle des Oderbruchs. Einer der Besitzer des anheimelnden, wie in der Abendsonne liegenden Bauwerkes, war Graf Wilhelm Werner Georg von Hacke, der mit dem Bau einer Kohlengrube, einer Brikettfabrik und einer Zuckerfabrik die Wirtschaft sachte in die industrielle Entwicklung lenkte, bis er den Besitz im Zuge des ersten Weltkrieges 1916 verkaufte.

Der Ortsname erzählt die Geschichte der Gegend bereits in Kurzform: ‚Ranft‘ deutet auf die Lage des Dorfes hin und bedeutet soviel wie ‚Kante‘, ‚Kruste‘, “Rand‘. Das ehemalige Fischerdorf, ein Rundlingsdorf, lag am Rand des Oderbruchs, der zweimal jährlich überschwemmt wurde. Mit ‚Alt‘ wurden die ehemaligen Dörfer abgrenzend zu den neuen Orten bezeichnet, die ab 1753 nach der Trockenlegung des Oderbruchs entstehen konnten. Mit der Landgewinnung siedelten sich auch Korbflechter, Weber und Holzschuhmacher an. Diese ‚Kolonistendörfer‘ erhielten den Zusatz ‚Neu‘. Das Museumsdorf macht mit dem gesamten Ensemble, den Ausstellungen, Vorführungen, Workshops und Aktionstagen die Alltagsgeschichte des östlichen Brandenburg lebendig. Im Schloss selbst befindet sich eine Ausstellung mit Möbeln aus der Gründerzeit, die zum Teil von Charlotte von Mahlsdorf stammen.

Für Kinder werden besondere Veranstaltungen angeboten, in denen traditionelle Handwerksformen wie Leinenherstellung, Korbmachen und weitere Künste praktisch erprobt werden können.

Schloss Kunersdorf

Der nächster Halt ist in Kunersdorf. An diesem Ort zwischen Wriezen und Seelow machten sich die ‚Frauen von Friedland‚ mit einer klugen Landwirtschaftsreform und als Förderinnen des Geistes und der Kunst einen Namen.

Frauen von Friedland, Kunersdorf, Brandenburg, Musenhof, Chamisso © Karin Mühlenberg

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Sie waren die Nachfahrinnen des Majors Hans Sigismund von Lestwitz. Bei Theodor Fontane sind die bewundernswerten Vorgänge nachzulesen, wie König Friedrich II. – Friedrich der Große einem seiner Lieblingsoffiziere, eben jenem von Lestwitz, im Jahre 1763 das Gut Kloster Friedland vermachte. Dieser kaufte das naheliegende Gut Kunersdorf von der adeligen Familie Barfus hinzu, um seiner einzigen Tochter als soziale Absicherung einen Landsitz hinterlassen zu können. Hierauf errichtete er schließlich das Schloss als einen repräsentativen Sitz.

Die Tochter Helene Charlotte von Lestwitz betrieb die Landwirtschaft erfolgreich nach den reformatorischen Plänen des Nachbarn, nämlich von Albrecht Conrad Thaer. Vielseitig interessiert zog sie zudem mit ihrer Tochter, der mittlerweile verheirateten Henriette Charlotte von Itzenplitz, herausragende Künstler an. Das Schloss in Kunersdorf wurde zu einem bedeutenden, geistig-kulturellen und wissenschaftlichen Zentrum für Geistesgrößen wie beispielsweise für die Brüder Humboldt, die besten Bildhauer jener Zeit Schadow, Rauch und Tieck, den Gelehrten Savigny und dem Komponisten Zelter. Ein häufiger Gast war Adelbert von Chamisso, der Offizier, Botaniker und Schriftsteller, der dort seine Novelle ‚Peter Schlemihls wundersame Geschichte‘ verfasste und dessen Grabstelle heute auf dem Gelände deutlich zu sehen ist.

Frauen von Friedland, Kunersdorf, Brandenburg, Musenhof, Chamisso © Karin Mühlenberg

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Auf dem angrenzenden Friedhof stechen die von Carl Gotthard Langhans entworfenen Säulenkolonaden mit Nischen für Marmorgrabmale ins Auge, die von den bekannten Bildhauern jener Zeit gestaltet wurden. Bedeutend war die Biblothek, die mit rund 30.000 Bänden die größte in Brandenburg war. Schloss und Park Kunersdorf wurden nach 1945 zerstört. Eine alte patinierte Sonnenuhr zeigt von ellem unberührt am Rande der ehemaligen Schlossmauern die Tageszeit wie eh und je an.

Frauen von Friedland, Kunersdorf, Brandenburg, Musenhof, Chamisso © Karin Mühlenberg

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Die kulturelle Tradition führen seit dem Jahr 2006 drei Frauen als „Musenhof Kunersdorf“ mit Literatur- und Kunstveranstaltungen fort. Sie leiten einen Buchverlag. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur vergibt seit diesem Jahr nun auch ein dreimonatiges Literatur-Stipendium für Kunersdorf. Die von Frauen gepflegte geistige Tradition lebt damit weiter.

Schloss Neuhardenberg

Ein weiterer Stopp der besonderen Art wird am Schloss Neuhardenberg, das in hellem Weiß erstrahlt, eingelegt.

Schloss Neuhardenberg Brandenburg © Karin Mühlenberg

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An das einst von Karl Friedrich Schinkel umgestaltete Schlossgebäude schließt sich ein Landschaftspark an, der von dem gestaltenden Dreiergespann Peter Joseph Lenné, Hermann Fürst von Pückler und John Adey Repton entwickelt wurden. Seit jeher ist dieser Ort, der vormalige Herrensitz in Quilitz, ein Zeugnis der Zeitgeschichte, das sich auch in der Änderung der Namen niedergeschlagen hat.

Schloss Neuhardenberg Brandenburg © Karin Mühlenberg

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König Friedrich Wilhelm III. vermachte das barocke Schloss 1814 seinem Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg. Von Hardenberg hatte in den Jahren zuvor Reformen durchgesetzt, die zu Gewerbefreiheit, zur Bauernbefreiung und zur Emanzipation von Juden führten. Quilitz wurde daraufhin in Neu-Hardenberg umbenannt. Schinkel gab dem Schloss mit der  Restaurierung eine klassizistische Stilrichtung. Der aus Niedersachsen stammende Carl-Hans Graf von Hardenberg übernahm 1921 die Verwaltung des Schlosses. Er lehnte die NSDAP ab und war aktiv an den Vorbereitungen zum Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt. Er überlebte den folgenden KZ-Aufenthalt, wurde aber von den Nationalsozialisten enteignet. Der Ort wurde 1949 in Marxwalde umbenannt, in dem während des DDR-Regimes die Regierungsfliegerstaffel der DDR stationiert war.

1996 gelangte das Eigentum an die Familie zurück, die es 1997 an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband verkaufte. Nach Sanierungsarbeiten fand am 8. Mai 2002 die offizielle Eröffnung im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau statt.

Schloss Neuhardenberg Brandenburg © Karin Mühlenberg

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Seitdem zieht dieser Ort viele Menschen zu Tagungen, Symposien, Debatten sowie zu kulturellen Veranstaltungen mit Theater, Musik, Ausstellungen und Lesungen an.

Schloss Steinhöfel

Der Besuch im Schloss Steinhöfel beendet den kulturhistorischen Tagesausflug. In der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde Steinhöfel zunächst als Angerdorf von den Askanier-Markgrafenbrüdern Johann I. und Otto III. angelegt. Die Schlossanlage entstand in den 1730er Jahren. 1790 erwarb es die Familie von Massow. Auch dieses Schloss wurde von David Gilly umgestaltet. Theodor Fontane war sehr von dem englischen Landschaftspark beeindruckt, der als einer der schönsten der Provinz galt. Johann August Eyserbeck, der Sohn des Gartenarchitekten Johann Friedrich Eyserbeck, wird als Schöpfer dieser Gartenanlage vermutet.

Schloss Steinhöfel Steinhoefel Brandenburg Gilly, Massow, Fontane © Karin Mühlenberg

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In dem Garten befindet sich das einzelstehende Bibliotheksgebäude, das sich in der Form eines griechisch-antiken Prostiylostempels präsentiert. In der vom Hofmarschall Valentin von Massow angelegten Gutsbibliothek sammeln sich in den folgenden 150 Jahren über 3.800 Bände mit Standardwerken aller gängigen Richtungen der Geistes- und Naturwissenschaften.

 

Schloss Steinhöfel Bibliothek Brandenburg Massow © Karin Mühlenberg

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Schloss Steinhöfel Steinhoefel Bibliothek Brandenburg Massow © Karin Mühlenberg

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Die Restaurierung des Schlosses wurde 1992/93 unter Beteiligung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördert. 1998 wurde es von der Brandenburgischen Schlösser GmbH erworben. Heute wird es gerne als Hotel und als Veranstaltungsrahmen für Hochzeiten und Tagungen genutzt.